Mittwochsforum

Dieses findet mehrmals im Schuljahr statt, immer mittwochs um 20:00 Uhr im Eurythmieraum. Es handelt sich dabei um Vorträge und Diskussionen zu klassenübergreifenden pädagogischen Themen, tagespolitischen Ereignissen und Anderem. Eingeladen sind alle Interessierten von inner- und außerhalb der Vereinsgemeinschaft. Themenvorschläge sind willkommen.

Hier finden Sie Informationen zum kommenden Mittwochsforum. (Bitte klicken)

Ansprechpartner: Herr Grebe

Mittwochsforum vom 17.Januar 2018 in der Stadthalle Balingen:

“Jedes Kind ein Könner – Pädagogik im 21. Jahrhundert”

Unsere Kinder werden als Erwachsene vor Herausforderungen stehen, die wir heute bestenfalls erahnen. Wie können wir sie darauf vorbereiten, auch unter völlig veränderten Bedingungen ein Leben lang selbstständig entdecken, erkennen und handeln zu können? Was kann die Schule als Ort der Begegnung, des Handwerks, der Kunst, der Erkenntnis und der Muße dazu beitragen? Wie bilden Kinder und Jugendliche die Fähigkeiten aus, die sie für ein sinnerfülltes und selbstverantwortliches Leben im 21. Jahrhundert benötigen?

Henning Kullak-Ublick war 26 Jahre Klassenlehrer an der Freien Waldorfschule Flensburg  Heute ist er als Vorstand im Bund der Freien Waldorfschulen, der Internationalen Konferenz für Waldorfpädagogik und bei den „Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ und als Vortragsredner im In- und Ausland tätig. Sein Buch “Jedes Kind ein Könner“ erschien 2017 in der Jubiläumstaschenbuch im Verlag Freies Geistesleben.

Mittwochsforum vom 6. Dezember 2017:

“Zusammenleben in kultureller Vielfalt als Herausforderung an die Waldorfpädagogik”

Globalisierung und Migration haben dazu geführt, dass Kinder mit unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Wurzeln an unseren Schulen unterrichtet werden. Im Vortrag soll dargestellt, wie die Waldorfpädagogik mit dieser Lage umgehen kann, dabei werden Erfahrungen an der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim- Neckarstadt einbezogen. Vortrag von Prof. Dr. Albert Schmelzer (Alanus Hochschule Mannheim) in Zusammenarbeit mit der Anthroposophischen Gesellschaft.

 

Mittwochsforum vom 15. November 2017:

“Epochenjahr 1917 – auf der Suche nach Zukunftsimpulsen für das soziale Leben.
Zur Vorgeschichte der Waldorfschule.”

In der Umbruchszeit des Ersten Weltkriegs entwickelte Rudolf Steiner seine Ideen für ein neues Gesellschaftskonzept, die „Dreigliederung des sozialen Organismus“. Wie der Kulturerneuerer auf die chaotischen Verhältnisse gedanklich antwortete und wie daraus die Gründung der ersten Freien Waldorfschule in Stuttgart hervorging, schilderte Holger Grebe am 15.11.17 im Rahmen eines Mittwochsforums an der Frommerer Schule. In einer Zeit, in der bei dem Begriff Gemeinschaft an die Frontgemeinschaft im Schützengraben oder die Gemeinschaft der bolschewistischen Bewegung gedacht wurde, bildete Rudolf Steiner eine neue internationale Gemeinschaft während des Baus des ersten „Goetheanums“, einem hölzernen Doppelkuppelbau ab 1913 in Dornach. Dort hielt Steiner volkspädagogische Vorträge, in denen er praktische Impulse mit spirituellen vereinte. Zu seinen wichtigsten Themen gehörte die Idee des sozialen Organismus. Steiner gliederte dieses „Wesen“ in ein Geistesleben, welches die Prozesse des Erkennens und Gestaltens im Sinne von Kunst, Wissenschaft und Religion umfasst, ein Rechtsleben als regelndes Glied und in ein Wirtschaftsleben, welches die Versorgung bewältigt, also Produktion, Handel und Konsum. In seiner Gliederung wies Steiner den Idealen der französischen Revolution einen neuen Ort zu. So sollte das Ideal für das Geistesleben die Freiheit, für das Rechtsleben die Gleichheit und für das Wirtschaftsleben die Brüderlichkeit sein. Er sah in dem damaligen politischen Chaos eine Vermischung dieser drei Glieder. So kommt es auch jetzt noch zu Problemen, wenn sich z.B. das Staats- und Wirtschaftsleben zu stark vermischen. Jedoch stehen die drei Glieder auch nicht getrennt. Durch eine Erfindung aus dem Geistesleben kann es beispielsweise zu neuen Impulsen im Wirtschaftsleben kommen. Als Konsequenz aus dem Freiheitsideal im Bildungswesen gründete Steiner zusammen mit dem Fabrikanten Emil Molt 1919 die erste Waldorfschule in Stuttgart. Heute gibt es 1100 Waldorfschulen und 1700 Waldorfkindergärten weltweit. Diese Einrichtungen entstanden auf der Basis einer Selbstverwaltung sowie einer Entkopplung von Arbeit und Einkommen. Nach Steiner kann Arbeit nicht bezahlt, sondern nur ermöglicht werden. Auch bei anderen Themen löste sich Steiner von Denkgewohnheiten seiner Zeit. So sah er Schule als ein Recht und keine Pflicht – ein entscheidender Unterschied für die Lernmotivation, wie Holger Grebe betonte. Auch in anderen Bereichen lebt sein Impuls bis heute weiter. So versuchen Organisationen wie die GLS-Bank (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken) oder die Heilmittelfirma Helixor (pharmazeutisches Unternehmen für integrative Medizin) auf seinem Konzept für ein brüderliches Wirtschaftsleben aufzubauen. Holger Grebe endete seinen fesselnden Vortrag mit einem Appell an die Zuhörer, sich dem Erwachen am anderen Menschen hinzugeben. Dies sah auch schon Rudolf Steiner vor 100 Jahren als unumgänglich für unser Zusammenleben. Antonia Zawalski (S)

 

Mittwochsforum vom 1. Februar 2017:

“Bewusst ernähren im Kindergarten- und Schulalter”

Am 1. Februar fand das Mittwochsforum „Bewusst ernähren im Kindergarten- und Schulalter“ an der Freien Waldorfschule Balingen in Frommern statt. Frau Dr. Petra Kühne, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin des Arbeitskreises für Ernährungsforschung in Bad Vilbel bei Frankfurt hielt vor großem Publikum einen Vortrag zu dem sehr populären Thema Ernährung. Sie begann damit, dass es heute verschiedene Ernährungsformen gibt, die sich in ihren Empfehlungen teilweise widersprechen. Dabei ist der Mensch so veranlagt, dass er in den Weltregionen mit unterschiedlichster Nahrung leben kann von der fettreichen traditionellen Ernährung der Eskimos über die kohlenhydratreiche Kost der Japaner bis zur fleischreichen in südamerikanischen Regionen mit großen Rinderherden. Nur die Muttermilch ist für alle Menschen der Welt gleich, danach beginnen die kulturellen Unterschiede. Die anthroposophische Ernährung basiert darauf, dass sie individuell ausgerichtet ist. Dies heißt nicht, dass jeder nach Belieben das verzehrt, was ihm am besten schmeckt, sondern Verantwortung und Wissen über die Nahrung und ihre Erzeugung gehörten dazu. Ein wichtiger Punkt war die Bedeutung einer regelmäßigen Mahlzeitenfolge und einer Beachtung von jahreszeitlich reifem Obst und Gemüse. Solch Rhythmus spart Kraft, entlastet die Organe und stärkt die Lebenskräfte des Kindes für die Entwicklung. In heutiger Zeit ist dies eine große Aufgabe, da alltäglicher Stress solche Gestaltung nicht leicht macht. In der Gemeinschaftsverpflegung lässt sich dies für das Mittagessen und die wöchentlichen Speisepläne gut praktizieren.
Die Lebensmittelqualität war ein weiteres Thema. Sie entsteht in der Landwirtschaft durch die Art des Anbaus. Rudolf Steiner, der auch die Waldorfpädagogik begründete, hatte hierfür mit der biologisch-dynamischen Methode Grundlagen gelegt. Später kamen die anderen Bio-Verbände und die EU Bio-Gesetze hierzu, die das Bio-Angebot sehr erweitert haben. Es folgten noch Darstellungen zum Getreide und zur Milch, zwei Lebensmittel, die wichtig in der Ernährung der Kinder sind, aber auch teilweise umstritten in ihrer Qualität. Auch das Thema Zucker und süße Lebensmittel wurde angesprochen. Daran schlossen sich zahlreiche Fragen der Teilnehmer an, die mehr zum Weizen, zur Vorzugsmilch oder verschiedenen Süßungsmitteln wissen wollten.